Rilke – das ist, noch immer, eine Glaubensfrage. Kaum jemand, der sein umfangreiches, bis heute faszinierendes Werk kennt, steht ihm neutral gegenüber. Rilkes Stundenbuch, das mit lyrischen Anrufungen wie „Du, Nachbar Gott“ aufwartet und seinen Ruf als „religiöser Dichter“ begründete, wurde sowohl von Karl Barth („fromme Unverschämtheiten“) als auch von Bertolt Brecht („absolut schwul“) kritisiert. Dabei hat sich Rilke von institutionalisierter Religion, insbesondere vom bigotten Kirchenchristentum seiner katholischen Herkunft und Erziehung seit frühester Jugend distanziert. Mit Fokus auf die spät vollendeten Duineser Elegien wirft Christoph Gellner im Theologischen Feuilleton feinschwarz.net einen neuen Blick auf die religiös-spirituelle Herausforderung dieses modernen „Dichters der Suchenden“.